Stark sein

Ich soll stark sein, warum?

Ich soll stark sein,
wenn ich mich auch schwach fühle.

Ich soll stark sein,
für euch, damit ihr meine Tränen nicht seht.

Ich soll stark sein,
damit ihr euch gut fühlen könnt.

Ich soll stark sein,
damit ihr euch nicht fürchten müsst vor meinen Gefühlen.

Ich soll stark sein,
damit ihr fröhlich sein könnt.

Ich soll stark sein,
damit ihr nicht die Straßenseite wechseln müsst.

 

 

 

Niemals

 

Niemals, Kind, werd' ich verstehen
Warum mußtest Du von uns gehen
So vieles hatten wir geplant
Niemals Deinen Tod erahnt

Nie mehr werde ich Dich halten
Nie für Dich die Windeln falten
Nie werde ich Dein Lachen sehen

Nie mit Dir zum Doktor gehen
Nie wirst Du durch die Wohnung krabbeln
Nie Deine ersten Laute brabbeln
Nie dann endlich "Mama" sagen
Nie uns tausend Dinge fragen
Nie Deine ersten Schritte gehen
Nie die helle Sonne sehen
Nie in der Schule fleißig schwitzen
Nie kannst Du einen Freund besitzen
Nie mit uns durch's Leben schreiten
Nie uns'rem Dasein Freud' bereiten

Niemals, Kind, werd' ich verstehen
Warum mußtest Du von uns gehen
Du größter Schatz, den wir besessen
Niemals, Kind, wirst Du vergessen

 

 

 

Jahre danach

Sie sagen, es ist doch schon so lange her.

Nach so vielen Jahren trauert man nicht mehr.

Man darf sich erinnern, leise, am besten stumm.

Ich frage, mit welchem Recht sie das sagen; warum?

Könnten sie den Schmerz nur erahnen, nicht mal ermessen,

wären sie dann so schnell mit dem Wort

" VERGESSEN" ?

Wären auch ihre Augen oftmals von Tränen blind,

würden sie trauern um ihr eigenes Kind?

Die Wunde klafft in unseren Herzen.

 

 

 

IHR GLAUBT ICH HÄTTE ES ÜBERWUNDEN
HÄTTE NEUEN LEBENSMUT GEFUNDEN
WAS WISST IHR VON MIR?
NICHTS!
ICH LEBE NICHT ICH FUNKTIONIERE
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR

IHR LACHT UND SCHERZT UND ICH LACHE MIT
DENN DAS ERWARTET MAN DOCH
ABER WENN ICH ALLEIN BIN WEINE ICH IMMER NOCH
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR

IHR ERZÄHLT VON EUREN“KLEINEN SORGEN“
UND ICH TU SO ALS HÖRTE ICH ZU
ABER WÄHREND IHR WISST
DASS MAN ALL EURE PROBLEME LÖSEN KANN
GEHE ICH ZUM GRAB MEINES KINDES UND ZÜNDE KERZEN AN
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR

IHR SAGT DIE ZEIT HEILT ALLE WUNDEN
UND IRGENDWANN WIRD ALLES WIEDER GUT SEIN
DOCH ICH WEISS MEINE WUNDEN HEILT KEINE ZEIT
ICH WERDE NIE MEHR WIE FRÜHER SEIN
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR

IHR VERMEIDET DEN NAMEN MEINES KINDES
WEIL IHR DENKT DASS MIR DAS KUMMER BRINGT
DOCH ER IST SOWIESO IMMER IN MEINEN GEDANKEN
NICHTS IST MIR WICHTIGER ALS DIE ERINNERUNG AN MEIN KIND
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR

IHR SAGT „DAS LEBEN GEHT WEITER,
DAS IST DER LAUF DER ZEIT“
ICH WEISS NUR DASS ICH LEBEN MUSS, OBWOHL ICH ES NICHT WILL
KEINER FRAGT: BIST DU DAZU BEREIT?
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR

DARUM NUR EINE BITTE
GEBT MIR KEINE RATSCHLÄGE MEHR WIE ICH LEBEN SOLL
LASST MICH EINFACH WIE ICH BIN
UND WENN ICH GEHEN WILL SO NEHMT ES HIN
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR

 

 

 

TROST

 

Wer sagt, die Zeit heilt alle Wunden,

der hat es nie gesehen,

der hat´s noch nicht empfunden

wenn Kinder von uns gehen.

Wer sagt, es geht doch weiter,

das Leben und die Welt,

der kennt nicht diese Schwere,

die mich so oft befällt.

Wer sagt, ich kann´s verstehen,

er fehlt dir halt so sehr,

und kennt die Schmerzen selbst nicht,

sagt besser gar nichts mehr.

Wie will er denn verstehen,

steckt nicht in meiner Haut,

kennt nicht den Strick um meinen Hals,

der mir den Atem raubt.

Ich weiss, sie wollen helfen,

mit Worten -gut gemeint-

doch ist das keine Hilfe,

wenn man nicht mit mir fühlt.

Und andere schweigen einfach,

weil sie so hilflos sind,

sie woll´n mich nicht verletzen,

doch töten sie mein Kind.

Ich will nicht euer Beileid,

das so kein Trost mir ist.

Was ich brauche ist ein Herz,

das nie mein Kind vergisst.

Ja, Trost, das wär so einfach

die Nähe die entsteht,

bei dem Versuch zu trösten,

wenn man den Weg gemeinsam geht.

 

 

 

Alle reden von werdenden Eltern,
keiner denkt an ein schlechtes Ende
und es kommt doch noch eine Wende.
Es werden Kinder geboren
und sie sind doch keine Eltern geworden.

So denken Menschen die es nicht kennen,
denn die, die das Kind geboren, werden sich Eltern nennen!
Eltern von einem Sternenkind,
manchmal den Namen nur für sich und den Wind.

Sie werden es nie aufwachsen sehen
oder wie sie die ersten Schritte gehen.
Nie hören was sie sagen
oder eine Umarmung wagen.
Nein das werden sie alles nicht!

Aber was sie können, ist es lieben bis in die Ewigkeit,
denn dazu braucht man keine Zeit.
Nicht auf Erden, sondern im Herzen werden sie leben
und so wird’s für die Eltern immer einen festen Platz geben.
Diese Liebe kann man nicht messen,
denn diese Kinder werden nie vergessen.

Sie haben gelebt, es waren Menschen, man kann sie nicht greifen
und das muss erst ein Außenstehender begreifen!

 

 

 

Still, seid leise,
es waren Engel auf der Reise.
Sie wollten ganz kurz bei euch sein,
warum sie gingen, weiß Gott allein.
Sie kamen von Gott,
dort sind sie wieder,
wollten nicht auf unsere Erde nieder.
Ein Hauch nur bleibt
von ihnen zurück,
in euren Herzen ein großes Stück.
Sie werden jetzt immer
bei euch sein,
vergesst nie,
sie waren noch so klein.
Geht nun ein Wind, an mildem Tag,
so denkt, es war ihr Flügelschlag.

Und wenn ihr fragt,
wo mögen sie sein ?
Ein Engel ist niemals allein.
Sie können jetzt alle Farben sehen
und barfuß durch die Wolken gehen.
Vielleicht lassen sie sich hin und wieder
bei den Engelskindern nieder.
Und wenn ihr sie auch sehr vermisst
und weint,
weil sie nicht bei euch sind,
so denkt, im Himmel,
wo es sie nun gibt,
erzählen sie stolz:
Wir werden geliebt !

 

 

Für alle Sternenpapas

Einmal nur wurde ich gefragt,
von einem Freund, fast schon verzagt:
"Wie es ist ein Sternenpapa zu sein?
Wie nur linderst Du deine Pein?"

Meine Antwort hat auf sich warten lassen,
die Gefühle so unendlich schwer zu fassen.
Es ist nicht leicht, Sternenpa zu sein,
dir fehlt ein Kindchen, winzig klein.

Hast Dich gefreut mit ganzem Herz,
was Dir jetzt bleibt ist nur der Schmerz.
Doch den will niemand sehen,
sagt dir: "Wird schon gehen!"

Findest nicht sehr viel Verständnis,
kaum einer hat die Erkenntnis,
dass dies Kindchen hat gelebt,
egal was auf einem Zettel steht.

Du musst stehen deinen Mann,
das ist es, was man von dir erwarten kann.
Möchtest schreien, möchtest weinen,
hältst die Klappe, sagst keinen Ton, gar keinen.

Tust jeden Tag weiter deine Pflicht,
deine Umwelt kümmert es meist nicht.
Deine Mine geschnitten wie aus Holz,
jeder Roboter wäre darauf stolz.

Dein Herz ist erfüllt von tiefer Trauer,
für die anderen war es nur ein kurzer Schauer.
Musst halt einfach weiter machen,
dabei willst du gar nicht lachen.

Verbirgst tief in dir deinen Schmerz,
verschließt ihn dicht in dein Herz.
Dabei ist das gar nicht zwingend,
lass ihn heraus, das ist dringend:
Denn auch du darfst trauern,
und mag es auch ewig dauern!

Ich wünsche allen Sternenpapas, die Möglichkeit zu haben,
ihre Trauer zu zeigen und damit auch akzeptiert zu werden.

 

Versucht, uns einfach zu verstehen
"Ab wann ist man ein Elternpaar?
Sobald ein Kind geboren - klar!"
So sprechen all die schlauen Leute
seit Alters her und auch noch Heute.
Sie sagen, "Macht nicht so'nen Wind.
Das war doch noch kein richt'ges Kind.
Könnt neue haben jederzeit.
Wozu nur diese Traurigkeit?"
Sowas zu sagen trifft uns sehr,
Vergrössert nur das Tränenmeer...

Ich sag' Euch, warum wir traurig sind:
Verloren haben wir ein Kind.
Ein kleines Menschlein - wunderschön,
weil wir es mit dem Herzen sehen.
Wie groß, wie schwer - das ist egal,
für uns ist dieses Kind real!!!
Wir möchten einfach, dass Ihr wisst
wie wichtig uns dies Menschlein ist!
Drum nehmt uns bitte, wie wir sind -
Eltern, die trauern um ein Kind.

Kein anderes Kind, das uns geboren,
wird je ersetzen, was wir verloren.
Wenn Ihr uns wollt behilflich sein,
schließt unser Sternenkind mit ein
in Eure Reden und Gedanken -
wofür wir herzlichst uns bedanken!
Nennt seinen Namen, sein Geschlecht,
wenn Ihr von unserem Baby sprecht...
Tut nicht, als wäre nichts geschehen.
Versucht, uns einfach zu verstehen.

 

 

 

Du warst noch nicht geboren,
hast nie das Licht gesehn
und warst schon auserkoren
von dieser Welt zu gehn
Du durftest niemals lachen
und froh und lustig sein
und Kinderspäße machen,
im hellen Sonnenschein
Nie durft ich Trost dir spenden,
dich in die Arme schließen,
dich führen an den Händen
mit dir die Welt genießen
Du durftest nie erfahren,
wie warm die Sonne scheint.
Ich werde dich bewahren,
hab sehr um dich geweint.
Trotzdem:
DU hast mich gelehrt
was Liebe ist und Wert.
Du kleiner Fratz,
weit und breit
bist du der größte Schatz,
für mich für alle Zeit.

 

 

 

 

Tiefes Schweigen

"Seht her - das ist mein Sternenkind!"
Würd' Euch so gern ein Foto zeigen...
Bin stolz, wie alle Eltern sind!
Doch, Ihr hüllt Euch in tiefes Schweigen.

Ihr Name wird mich stets betören;
ist wie Musik aus Himmelsgeigen...
Ach, lasst mich diesen Namen hören!
Brecht bitte Euer tiefes Schweigen.

Ich spüre den verstohlenen Blick...
Doch fällt kein einz'ges Wort, Ihr Feigen!
Warum zieht Ihr Euch so zurück
in die Burg aus tiefem Schweigen?!

Bis sich eines Tages fern
zum Ende meine Kräfte neigen:
Nie vergess' ich meinen Stern...
Und niemals Euer tiefes Schweigen!

 

 

Anders besser


Es wird besser sagen die anderen,

es wird anders, sage ich,

denn der Schmerz hat sich gewandelt,

doch verlässt er mich nicht.

Es wird anders sagen die anderen,

es ist besser sage ich,

denn das Leben ist viel klarer und viel tiefer für mich.

Es wird leichter sagen die anderen,

es wird schwerer sage ich,

denn dies Leben ist befristet, ja, ich freue mich auf dich.

 

 

Anders - besser, schwerer - leichter,

nichts ist wie es vorher war,

als ob eigentlich nichts geschah.

Du lebst dort ganz sicher weiter,

anders, besser, leichter, schön.

Hast das schwere schon bestanden,

ich kann dich im Licht nur sehn.

Du scheinst mir hinein ins Dunkel,

das mich oft umgibt mein Kind,

hilf mir an das Licht zu glauben,

bis wir dann zusammen sind...
 

 

Wem nie der Tod ein Kind entrissen,

brutal und plötzlich, ohne Sinn.

Wer nie in tränenfeuchten Kissen

sein Leid erstickte und wohin

er sich auch wandte, fern und nah,

sein totes Kind nur immer sah !

Wer nie in unerhörtem Wehe

sein höchstes Glück im Sarg muss sehn,

vor Schmerz sich krümmt in Wahnsinnsnähe,

kann nie der Eltern Schmerz verstehen !

 


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